Einstellungspraxis - PVS 2022

Philologenverband Sachsen e.V.
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Einstellungspraxis

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Aktuelles Einstellungsverfahren – und täglich grüßt das Murmeltier?

 
Wie immer am Jahresende erreichen uns eine Vielzahl von Weihnachtsbriefen mit Danksagungen und guten Wünschen für das neue Jahr. So bedankt sich der Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB) wie jedes Jahr bei allen Kolleginnen und Kollegen für die geleistete Arbeit: „Der Anspruch des Landesamtes für Schule und Bildung war es auch 2019, Sie in Ihrer täglichen Arbeit an den Schulen noch stärker zu unterstützen. Dabei galt das Hauptaugenmerk der Unterrichtsabsicherung in allen Regionen des Freistaates Sachsen. Mit den Einstellungsverfahren und Fortbildungsprogrammen für Seiteneinsteiger wurde diese Herausforderung gemeistert.“

 
Bei der Betrachtung der vergangenen Einstellungsverfahren und der aktuellen Lage an den Gymnasien des Freistaates Sachsen ergibt sich für uns allerdings ein sehr vielfältiges Bild.
 
Es steht außer Frage, dass erste Verbesserungen zu erkennen sind, denn durch die Verbeamtung und die dadurch endlich ähnlichen Bedingungen im Vergleich zu anderen Bundesländern gibt es eine deutlich höhere Zahl von Absolventen, die im sächsischen Schuldienst arbeiten möchten. Vorher bewarb sich eine Vielzahl nur, um nicht arbeitslos zu werden, wenn kein Angebot eines anderen Bundeslandes mit der Möglichkeit der Verbeamtung vorlag. Erste kleine Verbesserungen sind auch im Umgang mit den Bewerbern seitens des LaSuB festzustellen. So gibt es die Unsitte nicht mehr, dass per E-mail versandte Angebote innerhalb von 48 Stunden ohne Möglichkeit einer Rücksprache angenommen werden müssen. Auch hat sich die Kommunikation mit dem Ziel, Bewerber für eine andere Schulart und/oder Region zu gewinnen, deutlich verbessert.

 
Leider gibt es aber auch Verfahrensweisen, die in keiner Weise nachvollziehbar sind. Dabei ist besonders auf eine Einstellungspraxis hinzuweisen, die von den Referendaren als vollkommen intransparent wahrgenommen wird. So passierte es auch in diesem Sommer wieder, dass Bewerber durch Pokern bessere Angebote erhielten als beispielsweise die leistungsstärksten Absolventen. Zudem blieb häufig intransparent, nach welchen Kriterien bestimmte Fachkombinationen mit einer gymnasialen Stelle bedacht wurden.

 
Der offene Brief eines angehenden Physiklehrers an Kultusminister Piwarz (Link) zeigt, welche Arbeit im Umgang mit Bewerbern noch vor den Mitarbeitern des LaSuB liegt. Durch den Lehrerüberhang der ersten 25 Jahre nach der Wiedervereinigung standen sie bisher nie dem Problem gegenüber, Bewerbern das Gefühl vermitteln zu müssen, sich wirklich um ihre Einstellung zu bemühen. Ein derartiges Umdenken mag schwer sein, muss aber schnellstens stattfinden, da alle gut gedachten und beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels sonst wirkungslos bleiben.
 
Mit dem Einstellungsverfahren zum 01.02.2020 bemühen sich die Verantwortlichen des LaSuB endlich um einen wertschätzenden Umgang mit den Bewerbern. Zu kritisieren ist an dieser Stelle allerdings, dass zur Anzahl der zu besetzenden Stellen gegenüber den Bewerbern überhaupt keine Aussagen gemacht werden.

 
Die positive Beurteilung der Unterrichtsabsicherung des LaSuB bekommt spätestens nach einem Blick auf die Kenndaten zum Schuljahr 2019/2020 einen weiteren, sehr faden Beigeschmack. So sind der Grundbereich an den sächsischen Gymnasien nur zu 99,6% und der Ergänzungsbereich nur zu 88% abgesichert. Auch wenn das im Vergleich zu anderen Schularten noch recht viel erscheint, kann dies für die Bildungslaufbahn des einzelnen Schülers verheerende Konsequenzen haben. Die Personalpolitik der „schulartübergreifenden Ungerechtigkeit“ führte dazu, dass bereits im September wieder über 20.000 Stunden an sächsischen Gymnasien ausfielen.

 
Für alle im System befindlichen Kolleginnen und Kollegen bedeutet diese Personalpolitik neben der zusätzlichen Arbeitsbelastung vor allem Verunsicherung und Frustration aufgrund fehlender Planungssicherheit - und für die Planungsteams an den Schulen einen enormen Mehraufwand.

 
Zur Absicherung des Unterrichtes und für die Verringerung des Unterrichtsausfalles bedarf es der Erarbeitung eines nachhaltigen Personalentwicklungskonzeptes für alle Schularten. Ebenso sollten die positiven Erfahrungen der letzten schulscharfen Einstellungsverfahren genutzt werden. Es sollte auf alle zu besetzenden Stellen ausgeweitet werden, denn nur so lässt sich der Anspruch eines fairen und nachvollziehbaren Vergabeverfahrens für den Bereich der sächsischen Gymnasien verwirklichen. Letztlich muss es durch die Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs zur Erhöhung der Anzahl von Absolventen, die im sächsischen Schuldienst arbeiten wollen, und damit zur Entlastung und Wertschätzung aller Lehrerinnen und Lehrer im System kommen.

 
Wir fordern die Verantwortlichen im Kultusministerium und der LaSuB daher zum wiederholten Male auf, ihrer Verantwortung und ihrem eigenen Anspruch endlich gerecht zu werden und für die vollständige Ausreichung des Grund- und Ergänzungsbereiches, die Schaffung einer Vertretungsreserve für alle Gymnasien, Einstellungsangebote für alle grundständig ausgebildeten Lehrer für die Schulart Gymnasium und eine transparente und bewerberfreundliche Einstellungspraxis zu sorgen. Nur so lässt sich der Unterrichtsausfall signifikant verringern.
 
Mit der Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur Entlastung aller Kolleginnen und Kollegen, der Schaffung attraktiver Arbeitszeitmodelle, der Gewährung einer Klassenleiter- bzw. Tutorenstunde, einer Rückkehr zur Unterrichtsverpflichtung von 24 Stunden und der Verbeamtung der sächsischen Lehrer über das Jahr 2023 hinaus kann die Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufes gelingen.





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